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Steharbeitsplätze in Schulen: Vorteile, Nachteile und praktische Tipps

Lesezeit: 8 Minuten
Das Wichtigste auf einen Blick: Steharbeitsplätze bieten Schülern eine willkommene Abwechslung zum Dauersitzen. Sie fördern den Haltungswechsel und können die Aufmerksamkeit erfrischen. Allerdings ist dauerhaftes Stehen genauso wenig ideal wie dauerhaftes Sitzen. Der Schlüssel liegt in der Kombination: Wer regelmäßig zwischen Sitzen und Stehen wechselt, belastet den Körper am ausgeglichensten.


Was sind Steharbeitsplätze in der Schule?

Steharbeitsplätze in Schulen sind erhöhte Tische oder Pulte, an denen Schüler im Stehen arbeiten können. Es gibt verschiedene Varianten:


  • Höhenverstellbare Tische: Sie lassen sich sowohl auf Sitzhöhe als auch auf Stehhöhe einstellen. Das bietet die größte Flexibilität.
  • Feste Stehpulte: Sie sind auf eine bestimmte Stehhöhe eingestellt und dienen als Ergänzung zu den normalen Sitzplätzen.
  • Stehtische für Gruppenarbeit: Erhöhte Tische, an denen mehrere Schüler gemeinsam im Stehen arbeiten können.

Wichtig zu verstehen: Steharbeitsplätze sollen die Sitzplätze nicht ersetzen. Sie sind eine Ergänzung. Das Ziel ist der Wechsel zwischen verschiedenen Körperpositionen, nicht das Ersetzen einer starren Haltung durch eine andere.

Mehr zum Thema Sitzen in der Schule finden Sie in unserem Artikel Warum Schüler viel sitzen.

Vorteile von Steharbeitsplätzen

Steharbeitsplätze bieten einige nachvollziehbare Vorteile für den Schulalltag.

Körperliche Vorteile

  • Haltungswechsel: Der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen entlastet die Wirbelsäule und beugt einseitiger Belastung vor.
  • Aktivierung der Muskulatur: Im Stehen ist mehr Muskulatur aktiv als im Sitzen. Beine, Rücken und Rumpf arbeiten stärker.
  • Bessere Durchblutung: Stehen fördert den Blutkreislauf, besonders in den Beinen.
  • Weniger Rückenbeschwerden: Der regelmäßige Wechsel zwischen Sitzen und Stehen kann Rückenschmerzen vorbeugen.

Vorteile für den Unterricht

  • Aufmerksamkeit: Der Positionswechsel kann helfen, die Aufmerksamkeit zu erfrischen. Schüler berichten oft, dass sie sich nach dem Wechsel ins Stehen wacher fühlen.
  • Weniger Unruhe: Schüler, die ihren Bewegungsdrang am Stehpult ausleben können, brauchen weniger störende Bewegungen am Sitzplatz.
  • Aktivere Mitarbeit: Die aufrechte Körperposition wird oft mit mehr Beteiligung am Unterricht verbunden.
  • Abwechslung: Allein die Möglichkeit, die Position zu wechseln, wird von Schülern positiv wahrgenommen.

Mehr zur Wissenschaft hinter höhenverstellbaren Tischen finden Sie in unserem Artikel Höhenverstellbare Schultische.

Nachteile und Herausforderungen

Steharbeitsplätze sind kein Allheilmittel. Es gibt berechtigte Einwände, die bei der Planung berücksichtigt werden sollten.

Ehrliche Bestandsaufnahme: Dauerhaftes Stehen ist nicht besser als dauerhaftes Sitzen. Wer den ganzen Schultag steht, riskiert Beinmüdigkeit, Fußschmerzen und eine Belastung der Gelenke. Das Ziel muss immer der Wechsel sein, nicht das Ersetzen einer Extremposition durch die andere.

HerausforderungWas zu beachten ist
ErmüdungLängeres Stehen ermüdet Beine und Füße. Stehphasen sollten auf 15-30 Minuten begrenzt werden, besonders am Anfang.
KostenHöhenverstellbare Tische sind teurer als herkömmliche Schultische. Eine schrittweise Einführung hilft, die Kosten zu verteilen.
PlatzbedarfSteharbeitsplätze brauchen etwas mehr Raum als Sitzplätze. Die Raumplanung muss das berücksichtigen.
EingewöhnungSchüler und Lehrkräfte brauchen Zeit, um sich an das neue Konzept zu gewöhnen. Ein bis zwei Wochen sind normal.
Nicht für jeden gleich geeignetManche Schüler können aus gesundheitlichen Gründen nicht lange stehen. Das Angebot muss freiwillig sein.

Diese Nachteile lassen sich durch gute Planung und einen durchdachten Einsatz beherrschen. Der wichtigste Grundsatz: Steharbeitsplätze sind ein Angebot, keine Pflicht.

Steh-Sitz-Kombination: Der beste Weg

Die Forschung ist sich einig: Weder dauerhaftes Sitzen noch dauerhaftes Stehen sind ideal. Der gesundheitliche Nutzen liegt im regelmäßigen Wechsel zwischen verschiedenen Körperpositionen.


ArbeitsweiseKörperbelastungBewertung
Nur SitzenEinseitig, Rücken und Bandscheiben belastetNicht empfehlenswert auf Dauer
Nur StehenEinseitig, Beine und Füße belastetNicht empfehlenswert auf Dauer
Wechsel Sitzen/StehenAbwechselnd, verschiedene MuskelgruppenEmpfehlenswert

In der Praxis bedeutet das: In einem gut ausgestatteten Klassenzimmer gibt es sowohl Sitzplätze als auch die Möglichkeit, im Stehen zu arbeiten. Schüler können je nach Aufgabe und Bedürfnis zwischen den Positionen wechseln.

Ein praktisches Beispiel ist das Z-Tool: ein mobiler, kompakter Arbeitsplatz, den Schüler flexibel im Klassenzimmer nutzen können - im Stehen oder mit Hocker.

Ergänzt wird das durch dynamisches Sitzen und regelmäßige Bewegungspausen. So entsteht ein Unterrichtskonzept, das den natürlichen Bedürfnissen des Körpers gerecht wird.

Praktische Umsetzung

Die Einführung von Steharbeitsplätzen muss nicht auf einen Schlag geschehen. Ein schrittweiser Ansatz ist oft erfolgreicher.

Schritt für Schritt

  1. Klein anfangen: Starten Sie mit zwei bis drei Stehplätzen pro Klasse. Das kann ein einfaches Stehpult oder ein höhenverstellbarer Tisch sein.
  2. Freiwilligkeit: Lassen Sie die Schüler selbst entscheiden, ob und wann sie stehen möchten. Niemand sollte zum Stehen gezwungen werden.
  3. Stehzeiten begrenzen: Empfehlen Sie Stehphasen von 15 bis 30 Minuten mit anschliessendem Wechsel.
  4. Richtige Höhe: Der Tisch muss so eingestellt sein, dass die Ellbogen im Stehen etwa einen rechten Winkel bilden.
  5. Feedback einholen: Fragen Sie die Schüler nach einigen Wochen, wie sie das Angebot nutzen und was verbessert werden kann.
Tipp für den Einstieg: Wenn kein Budget für neue Möbel vorhanden ist, können Sie mit einfachen Mitteln beginnen. Ein höherer Tisch oder ein Tischaufsatz kann als erster Steharbeitsplatz dienen. Auch Fensterbänke oder Regale in passender Höhe können für kurze Stehphasen genutzt werden.

Für die Höhe der Steharbeitsplätze gelten die gleichen Grundsätze wie für die Sitzplätze: Die Möbel müssen zur Körpergröße passen. Höhenverstellbare Tische sind hier am flexibelsten, da sie sich an verschiedene Schüler anpassen lassen.

Die DIN EN 1729 gibt auch für Steharbeitsplätze Orientierung:


GrößenklasseKörpergrößeSteharbeitshöhe (ca.)Farbcode
3119-142 cmca. 73-80 cmGelb
4133-159 cmca. 79-87 cmRot
5146-176,5 cmca. 87-97 cmGrün
6159-188 cmca. 95-105 cmBlau

Die genaue Stehhöhe richtet sich nach der individuellen Körpergröße. Höhenverstellbare Tische bieten hier die beste Anpassungsmöglichkeit.

Kosten und Planung

Die Kosten hängen stark von der gewählten Lösung ab.


LösungKosten pro Platz (ca.)Flexibilität
TischaufsatzGünstigEingeschränkt, nur Stehposition
Festes StehpultMittelEingeschränkt, feste Höhe
Manuell höhenverstellbarer TischMittel bis hochHoch, Sitz- und Stehhöhe
Elektrisch höhenverstellbarer TischHochSehr hoch, schneller Wechsel

Nicht jede Schule muss gleich alle Plätze umrüsten. Oft reichen einige wenige Steharbeitsplätze als Ergänzung. Die Erfahrung zeigt: Wenn zwei bis drei Stehplätze pro Klasse vorhanden sind, nutzen die Schüler sie im Wechsel und profitieren bereits davon.

Für eine individuelle Planung stehen wir Ihnen gern zur Verfügung. Nutzen Sie unseren Planungsservice. Wir beraten Sie zu Tischen, Stühlen und kompletten Raumkonzepten.

Häufig gestellte Fragen

Ab welchem Alter sind Steharbeitsplätze sinnvoll?
Grundsätzlich können Kinder ab dem Grundschulalter kurze Stehphasen gut bewältigen. Für jüngere Kinder sollten die Stehphasen kurz sein (10-15 Minuten). Ältere Schüler können auch 20 bis 30 Minuten am Stück stehen. Wichtig ist, dass der Steharbeitsplatz zur Körpergröße passt und der Wechsel zum Sitzen jederzeit möglich ist.

Wie lange sollten Schüler am Stück stehen?
Eine gute Faustregel: 15 bis 30 Minuten stehen, dann zurück zum Sitzen oder eine Bewegungspause. Dauerhaftes Stehen ist nicht das Ziel. Der Nutzen liegt im Wechsel. Beobachten Sie die Schüler: Wenn sie anfangen, das Gewicht von einem Bein auf das andere zu verlagern oder sich anlehnen, ist es Zeit für einen Wechsel.

Ist Stehen für Schüler mit Rückenproblemen geeignet?
Der Wechsel zwischen Sitzen und Stehen wird von den meisten Experten als günstig für den Rücken angesehen. Bei bestehenden Rückenproblemen sollte allerdings vorab ein Arzt oder Physiotherapeut konsultiert werden. Manche Beschwerden werden durch Stehen gelindert, andere können sich verschlechtern.

Führt Stehen nicht zu mehr Unruhe im Klassenzimmer?
Erfahrungsgemäß nicht, wenn klare Regeln gelten. Steharbeitsplätze sind ein Arbeitsplatz, kein Spielplatz. Schüler, die am Stehpult arbeiten, sind in der Regel konzentriert bei der Sache. Wichtig ist, dass der Wechsel ruhig und geordnet abläuft.

Brauche ich für alle Schüler einen Steharbeitsplatz?
Nein. Zwei bis drei Steharbeitsplätze pro Klasse reichen als Einstieg völlig aus. Die Schüler nutzen sie im Wechsel. So profitieren alle, ohne dass grosse Investitionen nötig sind. Wenn das Konzept gut angenommen wird, können Sie nach und nach aufrüsten.

Fazit: Die Mischung macht es

Steharbeitsplätze sind ein wertvolles Werkzeug für den Schulalltag, aber kein Wundermittel. Ihr Nutzen liegt im Wechsel: Sitzen, Stehen, Bewegen. Diese Abwechslung belastet den Körper ausgeglichener und kann helfen, die Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten.

Die Einführung muss nicht teuer oder kompliziert sein. Beginnen Sie mit wenigen Stehplätzen und beobachten Sie, wie Ihre Schüler darauf reagieren. Die meisten Erfahrungen sind positiv, wenn der Einsatz freiwillig und gut organisiert ist.

Zusammen mit dynamischem Sitzen, regelmäßigen Bewegungspausen und weniger Sitzzeit insgesamt entsteht ein Klassenzimmer, das Gesundheit und Lernen gleichermassen fördert.

Gern beraten wir Sie zur Ausstattung Ihrer Schule. Nutzen Sie unseren Planungsservice oder nehmen Sie direkt Kontakt mit uns auf.